Bernadette Wolbring

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Bernadette Wolbring (Preisträgerin des Merckpreises 2008)

camera

Die Fotografien der Serie camera sind im weitesten Sinne Reproduktionen von Gemälden. Sie sind entstanden aufgrund meiner Unzufriedenheit mit herkömmlichen Reproduktionen, da diese oft stark vom Original abweichen.Daher beschäftige ich mich mit der Ausleuchtung bei der Aufnahme von Reproduktionen und besonders mit ›interpretive lighting‹: Bei dieser Art der Beleuchtung wird die Vorlage nicht – wie sonst üblich – gleichmäßig von zwei Seiten ausgeleuchtet, sondern das Licht wird so gesetzt, dass das für wichtig Erachtete hervorgehoben wird. So wird etwa ein Gemälde, bei dem der Pinselduktus besonders wichtig ist, nur von einer Seite beleuchtet.

Ausgangsmaterial für die Serie camera waren Gemälde von Fra Angelico, Vilhelm Hammershoi, Jan Vermeer und Gerhard Richter, an denen mich die durch Licht erzeugte Stimmung der Leere und Abwesenheit interessiert. Um den Blick auf das für mich Wesentliche zu richten, werden Reproduktionen jener Gemälde auf die Lichteinfälle reduziert – in einem Bildbearbeitungsprogramm. Als Miniaturtapeten gedruckt, werden diese Lichteinfälle (mitsamt der vergrößerten Druckrasterung als Verweis auf die Herkunft des Bildmaterials als Reproduktion) in Miniatur-modellen auf die Wände aufgebracht. In diesen Modellen werden verschiedene Beleuchtungssituationen durchgespielt und fotografiert. So vermischt sich der aufgedruckte Lichteinfall mit dem von mir gesetzten Lichteinfall, also mit meinem ›interpretive lighting‹.

Die Fotografien zeigen leere Interieurs und sind Analogien zur Bilderzeugung: In der Fotografie wird ein Bild erzeugt, indem Licht durch eine Öffnung in einen dunklen Raum im Inneren der Kamera fällt. Dies bilden die Fotografien der Serie camera ab, indem sie den Raum im Innern des fotografischen Apparats durch den abgebildeten Raum ersetzen.

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